Eine weitere physiologische Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel von
Bewegungen des Klangsteinspielenden mit den selbst erzeugten Klängen.
In der Gleichmäßigkeit und Harmonie der Klänge spiegelt sich die
angestrebte Gleichmäßigkeit der Bewegungen wieder. Intakte Motorik als
Therapieziel ist gekennzeichnet durch Gleichmäßigkeit. Unsere
lebensnotwendigen Körpersysteme wie Herzschlag, Atmung, und Gehen sind
gekennzeichnet durch Gleichmäßigkeit von Schwingungen. Im Bereich der
Willkürmotorik ist Gleichmäßigkeit ein universelles Qualitätskriterium
intakter Bewegungen. Gehen, Atmen, Kauen, sich kratzen sind zyklische
Vorgänge, deren In“takt“heit an der Gleichmäßigkeit abgelesen werden
kann. Üben der Gleichmäßigkeit ist das Kernelement von motorischem
Lernen, das hier unterstützt wird durch unmittelbare Rückmeldungen des
Hörens und Fühlens. Der Klangsteinspielende hört und fühlt, wie
gleichmäßig er sich bewegt. Auch dies ist ein lernpsychologisch gut
untersuchtes und vielfach therapeutisch und allgemein kulturell
eingesetztes Prinzip.
Die bessere zeitliche Auflösung des akustischen Sinneskanals
prädestiniert das Hören zum unterstützenden Feedback von Bewegungen.
Die klassische Weise, wie Musik zur Förderung und Aufrechterhaltung von
Bewegungen eingesetzt wird, ist natürlich der Tanz, aber auch die
Marschmusik im soldatischen Drill. Hier erzeugt der Tanz der Hände auf
dem Stein die Musik als direkte sensorische Rückmeldung. Dies bezieht
sich sowohl auf die Geschwindigkeit der Bewegungen, aber auch auf ihren
Spannungszustand (Muskeltonus). Der Stein meldet durch seinen Klang,
wie er berührt wird. Das therapeutisch gewünschte „Lockern“ verspannter
Muskulatur findet hier eine Unterstützung. Hände und Arme sind dabei
Teile des Rumpfes, der einbezogen wird in die Bewegungen am und auf dem
Stein.