Klänge und Musik dienen seit Urzeiten zur Fokussierung der sinnlichen
Erfahrung, zur Entspannung, zur Beruhigung. Wir lassen uns auf Musik
und Klänge ein, um uns loslassen zu können. Dabei wird auf das
musikalische Prinzip der repetitio zurückgegriffen: die lang anhaltende
Wiederholung des Gleichen. Beispiele sind Wiegenlieder, der
Gregorianische Gesang, das ewige Jesusgebet des russischen Pilgers, das
Om der buddhistischen Mönche, das Hare Krishna, der Rosenkranz,
indische Musik, Sufimusik, Tänze der Naturvölker, und vieles mehr.
Die Wiederholung führt zur inneren Ruhe, zu Selbstvergessenheit, Loslassen, aber auch zur Ekstase.
Auch im Naturerleben suchen wir Entspannung in der Wiederholung des
Gleichen, im Hören und im Sehen: im Meeresrauschen, im Knistern des
Feuers, im Wogen eines Ährenfeldes, im Prasseln des Regens. Wir
entsprechen dabei physiologischen Gesetzmäßigkeiten unseres Gehirns und
besonders der Wahrnehmungssysteme, die nicht ohne „Stoff“ sein können,
durch grundsätzlich Neues aber stark erregt werden
(Differentialfühler!). Hier bietet das Klangsteinspiel ein ideales
Medium: gleichmäßig genug, um zu beruhigen, abwechslungsreich genug, um
ein bestimmtes Anregungsniveau zu halten. Die langsamen, selbst
erzeugten Klänge sind Bewegung und Wahrnehmung zugleich, Fokussieren
die Aufmerksamkeit, lassen Raum und Zeit vergessen, führen zur
Selbstvergessenheit. Bei vielen Menschen kann man diesen
besonderen Zugang zur „Selbstvergessenheit“ am KlangStein beobachten.
KlangSteinSpiel und KlangSteinTherapie haben also eine
künstlerische, d.h. ästhetisch-perzeptive und eine
physikalisch-physiologische Seite.
Die psychische Wirkung der Musik wird zuerst einmal akustisch
vermittelt und ist in ihrer therapeutischen Dimension Alltagserfahrung
und etabliertes therapeutisches Konzept. Musik bewegt die Seele, zur
Freude, Anregung, Ablenkung, auch zur „süßen Trauer“. Musik kann diesen
besonderen Zustand des „Thrill“ erzeugen, wenn etwas „unter die Haut“
geht, sich die Haare sträuben, ein „Schauer über den Rücken läuft“.
Diese besonderen Zustände werden immer wieder von Menschen berichtet,
die der Musik der Steine begegnen.
Musikalische Wahrnehmung und musikalische Gestaltung der KlangSteine
weisen eine Reihe von Besonderheiten auf, die sehr günstig für den
therapeutischen Einsatz sind. Das Hörerlebnis ist grundsätzlich neu und
anders im Vergleich zu den kulturell in Europa etablierten
musikalischen Traditionen. Dass keine individuellen Vor-Erfahrungen
vorliegen, bedeutet eine geringe Wahrscheinlichkeit negativer
Assoziationen. Keine präjudizierenden negativen Wertungen, kein „Ich
kann das nicht! Ich hab das nie gekonnt“. Kein Auftauchen negativer
Erfahrungen aus traditionellem Musikunterricht, kein entmutigender, das
Selbstgefühl mindernder Vergleich mit unerreichbarer Virtuosität.
Die besondere musiktherapeutische Qualität des Klangsteinspielens
ergibt sich auch aus dem niedrigschwelligen motorischen Zugang zum
Klangsteinspielen, das auf langsame Alltagsbewegungen zugreift, die
auch bei vielen motorischen Störungen noch verfügbar sind.